Stadtquartier Eibengasse Wien

Ein klimaresilientes Wohnensemble für das Quartier von morgen

Im Stadtquartier Eibengasse in Wien entsteht ein Wohnensemble, das soziale Vielfalt, klimatische Resilienz und langfristige Nutzungsfähigkeit miteinander verbindet. Das Projekt entwickelt das Baufeld als Gruppe von vier abgestuften Baukörpern, die als zwei Zwillingspaare organisiert sind. Unterschiedliche Gebäudetypologien, Konstruktionen und Wohnformen schaffen ein differenziertes Wohnangebot für verschiedene Lebenssituationen. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Wohnen für Alleinerziehende, gemeinschaftlich nutzbaren Räumen und Freiflächen sowie auf einem Entwurf, der sommerliche Überhitzung reduziert und eine hohe Wohnqualität ermöglicht. Hybride Bauweisen, flexible Grundrisse und ein integrales Energie- und Freiraumkonzept bilden die Grundlage für eine langfristig anpassungsfähige Wohnanlage.

Platzierung

1. Preis Wettbewerb 2026

Lage

Wien, Österreich

Statik und Kreislaufwirtschaft:

Werner Sobek

Freiraumplanung:

SILA

Bauphysik und TGA:

Neubau Energy

Status

In Planung

Soziale Nachhaltigkeit:

Johann Mathis / JUNO

Zwei Zwillinge, ein Quartier

Vier Baukörper bilden ein Ensemble, das aus zwei charakteristischen Zwillingspaaren zusammengesetzt ist. Ihre abgestufte Höhenentwicklung reagiert auf die Umgebung und schafft einen fließenden Übergang zwischen Straßenraum, Freiraum und Wohnbebauung. Während die Zwillinge in Konstruktion, Materialität und Typologie jeweils miteinander verwandt sind, entwickeln sie eigenständige räumliche Qualitäten. Die offene Sockelzone, begrünte Fassaden und gemeinschaftlich genutzte Bereiche verbinden die Häuser untereinander und verankern sie im Quartier. So entsteht eine Wohnanlage, die nicht als Solitär verstanden wird, sondern als Teil eines größeren räumlichen Zusammenhangs, in dem Nachbarschaft, Freiraum und Alltag ineinandergreifen.

Wohnen für unterschiedliche Lebensmodelle

Die Wohnungen sind so konzipiert, dass sie sich mit den Bedürfnissen ihrer Bewohner:innen verändern können. Ergänzende Räume erweitern die Grundrisse und ermöglichen unterschiedliche Nutzungen, vom Homeoffice über Gästezimmer bis hin zur Unterstützung durch Angehörige oder Caregiver. Adaptierbare Familienwohnungen können auf veränderte Haushaltsgrößen reagieren, während barrierefreie Einheiten und Wohnungsverbünde langfristige Perspektiven für verschiedene Lebensphasen schaffen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Wohnbedürfnissen von Alleinerziehenden. Gemeinsam mit JUNO entsteht ein Angebot, das flexible Wohnmodelle, Tandemvergaben und nachbarschaftliche Netzwerke unterstützt. Die Vielfalt der Wohnungstypen fördert eine soziale Durchmischung und schafft Wohnraum, der sich nicht an starren Haushaltsformen orientiert, sondern an den Anforderungen des tatsächlichen Alltags.

Gemeinschaft im Alltag

Die Erdgeschosszone bildet das soziale Zentrum der Wohnanlage. Gemeinschaftsräume, Spielangebote und quartiersbezogene Nutzungen sind gezielt entlang der Wegebeziehungen angeordnet und schaffen Orte für Begegnung, Austausch und gemeinschaftliche Aktivitäten. Ein Spielraum, ein Gemeinschaftsraum mit angeschlossener Waschküche, ein flexibel nutzbarer Veranstaltungsraum sowie ein Repair Café und ein Sporttreff ergänzen das Wohnangebot um Funktionen, die über die eigene Wohnung hinausreichen. Durch ihre offene Lage und die direkte Orientierung zum Innenhof sind die Gemeinschaftsbereiche sichtbar und leicht zugänglich. So entstehen niederschwellige Treffpunkte für unterschiedliche Altersgruppen, die den Alltag beleben, nachbarschaftliche Beziehungen fördern und das gemeinschaftliche Leben im Quartier stärken.

Klima als Entwurfsprinzip

Das Projekt versteht Klimaanpassung als integralen Bestandteil des Entwurfs. Die Gebäudeanordnung, die Freiraumgestaltung und die Wohnungsgrundrisse sind darauf ausgelegt, sommerliche Überhitzung zu reduzieren und ein angenehmes Mikroklima zu schaffen. Passagen durch das Baufeld fördern die Durchlüftung des Hofes und unterstützen den Luftaustausch innerhalb des Quartiers. Viele Wohnungen sind durchgesteckt oder zweiseitig orientiert und ermöglichen eine natürliche Querlüftung. Der weitgehend nicht unterbaute Innenhof bietet Raum für großkronige Bäume, begrünte Aufenthaltsbereiche und schattenspendende Pergolen. Ergänzt wird das Freiraumkonzept durch Dach- und Fassadenbegrünungen, Regenwasserrückhalt sowie Wasserelemente, die an heißen Tagen zur Abkühlung beitragen. So entsteht ein Wohnumfeld, das auf die Herausforderungen steigender Temperaturen reagiert und Klimakomfort durch räumliche und landschaftsarchitektonische Maßnahmen schafft

Hybrid gebaut, langfristig nutzbar

Die Konstruktion verbindet die jeweiligen Stärken von Holz- und Stahlbetonbau zu einem robusten und anpassungsfähigen Gesamtsystem. Tragende Kerne, Stützen und aussteifende Scheiben aus Stahlbeton werden mit Brettsperrholz-Wänden und Holz-Beton-Verbunddecken kombiniert. Diese klare Trennung von Primär- und Sekundärstruktur schafft die Voraussetzung für eine langfristige Nutzungsflexibilität: Wohnungen können an veränderte Anforderungen angepasst, zusammengelegt oder neu organisiert werden, ohne in die tragende Struktur eingreifen zu müssen. Gleichzeitig reduziert der gezielte Einsatz nachwachsender Rohstoffe den Verbrauch energieintensiver Materialien. Die Konstruktion ist auf Langlebigkeit, einfache Wartung und einen späteren Rückbau ausgelegt. Lösbare Verbindungen und modular aufgebaute Bauteile erleichtern die Wiederverwendung von Materialien und unterstützen eine kreislauffähige Bauweise über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg.

Energie aus dem Quartier, Ressourcen im Kreislauf

Der Entwurf betrachtet Gebäude, Freiraum und Energieversorgung als zusammenhängendes System. Geothermische Tiefensonden, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen decken den Energiebedarf auf Basis erneuerbarer Quellen. Die Wärme- und Kälteabgabe erfolgt über Flächenaktivierungssysteme, während natürliche Belüftung und außenliegende Verschattung den technischen Aufwand reduzieren. Regenwasser wird zurückgehalten und für die weitere Nutzung gespeichert, Begrünungen fördern Verdunstungskühlung und tragen gemeinsam mit dem intensiv bepflanzten Innenhof zur Minderung sommerlicher Hitzebelastungen bei. Durch die Verknüpfung von Energieversorgung, Wassermanagement und mikroklimatischen Maßnahmen entsteht ein ressourcenschonendes Gesamtkonzept, das langfristige Betriebssicherheit und hohe Aufenthaltsqualität gleichermaßen unterstützt.

Material- und Ressourcen Kreislauf